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Gut gerüstet für die Schule

Buchstaben und Zahlen schreiben, erste Rechenaufgaben lösen und auch schon die erste Fremdsprache beginnen, um in der ersten Klasse richtig durchstarten zu können? Der Leistungswettlauf macht inzwischen auch vor den Kindergartenkindern nicht mehr halt. Viele Eltern sorgen sich um die Zukunftschancen ihrer Kinder und haben hohe Erwartungen an die Vorschularbeit. Doch welche Kompetenzen sind für den Übergang in die Schulzeit wirklich wichtig?

„Die Entwicklung der Schulreife findet nicht allein im letzten Kindergartenjahr statt“, beruhigt Jutta Brendel-Müller, Leiterin des evangelischen Kindergartens „Unterm Regenbogen“ in Schwaig. „Während der gesamten Kindergartenzeit und jeden Tag aufs Neue üben sich die Kinder in den Kompetenzen, die für einen guten Schulstart wichtig sind. Und dabei kommt es bei Weitem nicht nur auf ein erstes Mengen-, Zahlen- und Buchstabenverständnis an.“ Neben der kognitiven Komponente mit Gedächtnisentwicklung, Konzentrations-, Denk- und Abstraktionsfähigkeit sind auch die sozialen Kompetenzen und die eigene Körperwahrnehmung entscheidend.

Im Kindergartenalltag erproben sich die Kinder deswegen in vielen alltagspraktischen Fähigkeiten wie Getränke einschenken, den Tisch eindecken oder abräumen, aufräumen und sortieren, Hunger oder Durst äußern, Ruhephasen einhalten oder Jacke und Schuhe anziehen, bevor es raus in den Garten geht. Ausdauer und Konzentration werden nicht nur bei gestalterischen Angeboten, Kreis- und Tischspielen gestärkt, sondern auch noch einmal gezielt mit der Vorschularbeit im letzten Kindergartenjahr. Wichtig dabei ist die Berücksichtigung motorischer Inhalte, also das Bauen mit Elementen oder spezielle Bewegungsspiele, die Lerninhalte wie geometrische Figuren oder Mengen und Zahlen ganzheitlich erfahrbar machen.

Soziale Kompetenzen werden im Kindergarten ohnehin jeden Tag aufs Neue erprobt. Gerade altersgemischte Kindergruppen sind ein ideales Lernfeld. Konflikte lösen, sich durchsetzen, gemeinsam Entscheidungen treffen, Frustrationen aushalten, sich um die anderen kümmern, Grenzen abstecken bei sich und bei anderen, Werte wie Gerechtigkeit, Mut oder Gemeinsinn erfahren – alles das lernen die Kinder hier. Beispielsweise wenn Vorschulkinder die Patenschaft für einen Kindergartenneuling übernehmen. „Die Paten helfen den Patenkindern dann beim Anziehen, beim Händewaschen oder beim gemeinsamen Spaziergang. Das lässt so manchen Großen über sich hinauswachsen. Verantwortungs- und Mitgefühl werden trainiert und bei den Kleinen wächst rasch der Wunsch, ihrem Paten zu beweisen, wie selbstständig sie schon sind“, berichtet Jutta Brendel- Müller vom Patenprogramm, das fester Bestandteil der ganzheitlichen Vorschularbeit im Kindergarten „Unterm Regenbogen“ ist.

„Wichtig für die zukünftigen Schulkinder ist auch die eigene Problemlösungskompetenz. Sich durchbeißen zu können oder schwierige Situationen kreativ zu lösen – diese Fähigkeiten sind Kindern in der Schule eine große Hilfe“, so die Montessori-Pädagogin. Nicht jedes Kind, das schon vor der Einschulung lesen oder rechnen kann, muss also schon schulreif sein. Entscheidend sind die gesamte Persönlichkeitsentwicklung und ein gutes Gleichgewicht der kognitiven, sozialen und personalen Basiskompetenzen. Anders ausgedrückt: „Mit ungleich langen Beinen läuft es sich nicht gut, weil man ins Stolpern gerät. Ein Kind mit einem gut entwickelten körperlichen, geistigen und seelischen Gleichgewicht dagegen kann voller Freude und Neugier in den Schulalltag starten.“